New York Sleeps
Christopher Thomas - Grand Central Terminal and Chrysler Building, 2008
Grand Central Terminal and Chrysler Building, 2008

Credit Suisse, Kunst im Palais am Lenbachplatz
September 2010 - 2011

Fifty One Fine Art Photography, Antwerpen
2010

Steven Kasher Gallery, New York
2009

Bernheimer Fine Art Photograpy, München
2009

New York Sleeps

Das ist New York! Oder sind das Traumwelten, Trugbilder, Erfindungen, vielleicht Zeugnisse einer vergangenen Zeit? Der Betrachter gerät ins Staunen, er erkennt die Orte und mag sich Erinnerungen hingeben. Eine Stadt der Stille, jenseits der Turbulenz des Alltags, eine Metropole ohne Menschen, wie verzaubert: Grand Central Station, Fifth Avenue, Flatiron Building, Katz’s Restaurant, Brooklyn Bridge..., vertraut, aber so nie wahrgenommen.

Als wir im Studio unvermutet diese Bilder aus einer Schublade zogen, sieben Ansichten, alle entstanden im Jahr 2001 (vor dem 11. September), weich gezeichnet durch lange Belichtungszeit, auf Büttenpapier gedruckt mit dem schlierigen Rand des Polaroids, haben wir den Photographen gedrängt, nach New York zurückzugehen, wo er über lange Zeit immer wieder gelebt hatte, die Serie fortzusetzen. Während zweier Jahre mit Aufenthalten zu allen Jahreszeiten ist ein Konvolut von 100 Photographien entstanden.

Mit seiner klaren Konzeption von Aufnahmetechnik, Komposition, Licht, Format und dem Verzicht auf Farbe, dem exquisitem Druck in reicher, subtiler Tonalität wie auch der Präsentationsform – handgeschöpftes Papier, Passepartout, Rahmen - nimmt Christopher Thomas klassische Traditionen auf. Er, der als renommierter Photograph einer glamourösen Warenwelt über alle avancierten Technologien verfügt, vertraut als Künstler der Kraft des Bildes. Klassisch wirken seine Aufnahmen, ja unzeitgemäß.

Wenn die Stadt schläft vor Tagesanbruch im Morgengrauen macht Christopher Thomas sich auf mit einer Großbildkamera, die ihn zur Langsamkeit zwingt (eine für ihn gebaute Linhof Laufbodenkamera), mit Stativ, schwarzem Tuch und schwarzweißen Polaroid Filmen – und es ist, als begäbe er sich damit außerhalb der Zeit. Er nähert sich in dokumentarischer Absicht seinem „Motiv“ und schafft zugleich eine Ästhetik des Romantisch-Malerischen. Er konzentriert sich auf das Reale, lenkt die Aufmerksamkeit auf den Gegenstand, und doch wird der Hauch einer „anderen“ Welt spürbar. Wie idealisierte Landschaften romantischer Tradition sind seine Photographien von poetischer Sinnlichkeit, kontemplativer Kraft und emotionaler Aura, sie wecken Empfindungen wie Bewunderung, Beglückung, ästhetisches Vergnügen: Die Parks und Piers, Hudson River und Coney Island, die Friedhöfe und Brücken, die Freiheitsstatue..., im Frühnebel, unter Herbstlaub, Schemen im Dunst, unberührte Schneedecken, silbrige Himmel, glänzende Wasserspiegel, Plätze und Monumente…

Petra Giloy-Hirtz und Ira Stehmann, aus dem Vorwort zu “New York Sleeps, Photographs by Christopher Thomas 2001-2009“, Prestel Verlag (erscheint Oktober 2009)

Christopher Thomas

In Zusammenarbeit mit Ira Stehmann