München im Kunstlicht
Marco Gastini
Marco Gastini
München im Kunstlicht

Ein Millenniumsprojekt von Stadt und Wirtschaft im öffentlichen Raum / Dezember 1999 bis Februar 2000

Ugo Dossi - Marco Gastini - Jenny Holzer - Mischa Kuball - Kiki Smith

Schirmherrschaft
Oberbürgermeister Christian Ude

Veranstalter
Kulturreferat der Landeshauptstadt München
in Zusammenarbeit mit Baureferat, Planungsreferat, Referat für Arbeit und Wirtschaft und Kommunalreferat

Leitung des Kuratoriums
Julian Nida-Rümelin, Kulturreferent

Kuratorin + Projektleitung
Petra Giloy-Hirtz

Herausragende Künstler haben für die Straßen Münchens rings um den Marienplatz ein Werk erdacht und - für sie selbst ein Abenteuer - in neuen Techniken umgesetzt. So verwandeln Lichtinstallationen zur Jahrtausendwende das Gesicht der Stadt. Mit Einbruch der Dämmerung wird die Kunst über den Straßen sichtbar. Sie tritt in Dialog mit dem alltäglichen Ort, seiner Geschichte und Architektur, und sie setzt sich der Lebendigkeit des Zentrums aus.

Kunst geht auf die Straße. Da ist Getümmel, viel Licht, anderes Licht, Wind und Wetter. Gerade das hat die Künstler für das Projekt entzündet: den geschützten Raum des Museums, den Elfenbeinturm verlassen, arbeiten im Offenen! Die Künstler nehmen die Herausforderung an. Sie lassen sich ein auf den Dialog zwischen Kunst und Werbung. Leichter wäre es gewesen, dunkle Plätze oder Straßen der Peripherie zu illuminieren. Viele Betrachter haben in der Tat die Lichtkaskaden des Kommerz als störend empfunden oder sie haben sich die künstlerischen Eingriffe dominanter gewünscht. Gleichwohl liegt gerade darin eine Stärke der Kunst: nicht im Spektakel, in der rauschhaften Inszenierung, sondern in leiseren Eingriffen, die alltägliche Wahrnehmung verändern - manchmal an der Grenze zum Unbewußten - und die Sprache der Kunst, ihre Poesie und Sinnlichkeit sichtbar machen.

Licht ist das Medium aller fünf Installationen. Und doch ergibt sich ein breites Spektrum sehr unterschiedlicher künstlerischer Ansätze. Die Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld von Konzept und Intuition, von Zauber und Intellektualität, von Dekor und Reflexion: pure abstrakte Lichtlinie, figurative von innen leuchtende Skulpturen, fluoreszierende Texte, malerische Lichtarchitektur, eingeblitzte Projektionen und Lichtmalereien. Die Künstler haben mit Bedacht "ihre" Straße gewählt. Ugo Dossi suchte die Korrespondenz von Straße und Untergrundbahn, Marco Gastini entschied sich für den majestätischen ruhigen Backsteinbau des Doms als Folie, Jenny Holzer reizte die Luxusmeile und der offene Platz, Mischa Kuball wollte auf die kaum wahrnehmbare urbane Struktur der Krümmung antworten, und Kiki Smith fand ihren Ort zwischen Bürgerhäusern und königlicher Residenz.

Die Installationen in der Stadt sind temporär. Was über die Erinnerung hinaus bleibt, sind die Videos von Entstehung und Aufbau der Installationen, die ein Team der Hochschule für Fernsehen und Film gedreht hat und die auf überdimensionalen Screens im Kommunikationszentrum von "München im Kunstlicht" im BMW Group Pavillon am Lenbachplatz während der Dauer der Installationen zu sehen sind. Und es bleiben die Photographien des Münchner Künstlers Alexander Timtschenko.

Die Resonanz auf "München im Kunstlicht" ist enorm: überwältigend die Präsenz in den überregionalen Medien und bemerkenswert das Interesse vieler deutscher und europäischer Städte, die Ähnliches planen. Lob und Kritik in den Feuilletons entsprechen den Reaktionen der Betrachter, wie sie etwa in einer Podiumsdiskussion im Künstlerhaus zum Ausdruck kamen und wie sie für Kunstprojekte im öffentlichen Raum typisch sind - von Unverständnis und Irritation bis großer Zustimmung: "Endlich wieder einmal ein allgemein sichtbares künstlerisches Signal" (Süddeutsche Zeitung vom 2. Dezember).

Es ist nicht hoch genug einzuschätzen, daß dieses Signal sich der Initiative der Kaufleute verdankt. Ihrem Engagement haben sich viele Münchner Unternehmen unterschiedlicher Branchen - Banken, Bauunternehmen, Vereine u.a. - angeschlossen und somit gezeigt, daß die Sensibilität der Wirtschaft in ihrer eigenen Metropole überregionale kulturelle Impulse zu setzen versteht.

Petra Giloy-Hirtz, Auszug aus der Dokumentation "München im Kunstlicht"

Photos: Alexander Timtschenko