Georg Baselitz
Aus dem druckgraphischen Werk
Georg Baselitz - Hand
Hand (Aufl.Nr: 8 / 20)
Strichätzung / Aquatinta
Fluß und Schrift, 2001
(Aus einer Serie von 16 Radierungen)
Platten: ca. 33 x 25 cm
Papier: ca. 77,5 x 56 cm
Auflage 20

Credit Suisse (Deutschland) AG
Private Investment Office, München
Kunst in der Prinzregentenstraße
Juli – Dezember 2006

Aus dem druckgraphischen Werk

Hervorragende Blätter von einem der bedeutendsten Künstler unserer Zeit, von Georg Baselitz, zeigt die kleine exquisite Ausstellung bei Credit Suisse. Wie kaum ein anderer hat der deutsche Maler und Bildhauer mit der alten Technik des Holzschnitts experimentiert, mit Radierung und Linolschnitt, und eine zeitgenössische Bildsprache geschaffen: kraftvoll, kompromisslos direkt, voll energiegeladener Unmittelbarkeit, ungewöhnlich in der Dialektik von Fläche und Motiv. Hand und Fuß, Mädchen, Pferd und Hund - auf den Kopf gestellt, klar. “Ich will nicht überraschen mit einem schönen Gesang. Ich reflektiere ständig... und lehne Entertainment ab.” (B. 1996)

Georg Baselitz knüpft an die Tradition an: in seiner Auseinandersetzung mit einer “vaterlosen Generation, die sich ihre Vorbilder erst suchen muss und dabei hinter ihre Väter zurückging” (B), wie in dem Rekurs auf die deutsche Vergangenheit - und entwickelt sein Werk in Experimenten und Brüchen. Seine machtvolle Revitalisierung der Malerei war in einer Zeit der favorisierten Abstraktion und später einer konzeptuellen Kunst durchaus umstritten in ihrem “Anachronismus” und der “barocken Überfülle”. Heute - gerade auch im Kontext einer schöpferischen und erfolgreichen jungen internationalen Malereiszene – zeigt sich die übergreifende Position: die Verbindung der Tradition großer expressiver Malerei mit einer unmittelbar zeitgenössischen Sicht.

Sein Werk ist reich an Erfindungen: Malerei, Skulptur, Radierung, Holzschnitt, Linolschnitt, Lithographie. Baselitz’ Erkennungszeichen seit 1968/1969: Das Auf-den-Kopf-Stellen, “der kuriose Versuch, die Figuren im Bildgrund zu verankern, zu verzahnen und in Malerei aufgehen zu lassen.” Es geht um Malerei, um Bilderfindung, nicht um Wirklichkeit. Um die Befreiung vom Gegenstand. Baselitz malt seine Gegenstände, seine Motive umgekehrt: “Also ohne die Bedeutung, die ein Gegenstand haben kann... Denn wenn man sie umdreht, verlieren sie diese Bedeutung.” (B) Und er will keine narrative Struktur, will nicht erzählen. “Ich habe mich entschieden, 1969 oder ab 1969, ... auf erzählerische oder inhaltliche Dinge in einem Bild zu verzichten und nur noch das zu behandeln, was man in der Malerei üblicherweise verwendet. Also Landschaft, Akte, Portraits, Stillleben usw.” Was hier für die Malerei gilt, gilt auch für das druckgraphische Werk.

“Ich wollte, indem ich Holzschnitte machte, etwas machen, das über meine bisherige Arbeit hinausging. ... Man kann in der Technik des Holzschnitts ... nicht mit halben Tönen, mit Mischtönen, mit Andeutungen, mit Verstecktem, mit Verschleierungen arbeiten. Man hat wenig Möglichkeiten. Es gibt Schwarz-Weiß oder zweifarbig. Das ist eine disziplinäre Entscheidung. Alles das, was eingeschnitten ist, ist gleichermaßen sofort sichtbar. Man kann also nichts verbergen, man kann nichts verwischen. Ich wollte ... eine allgemeine, endgültigere Form ähnlich einer Schablone machen, wo man einfach keine Fragen mehr stellen muss, wenn man das Ding sieht.” (B) Das ist, was Baselitz interessiert – nicht die Möglichkeit der Reproduktion.

So haben die bei Credit Suisse versammelten Arbeiten etwas Radikales, Direktes, auch Sprödes in den zeichnerische Linie, in Schraffur und Ritzen, ohne die Verführung der Augen durch die Farben der Malerei. Individuelle Eigenart jedes Blattes, Vielfalt in dem Einen. Gegen das Gewohnte, gegen die Langeweile, den Stillstand! “Künstler können nur asozial arbeiten, sie dürfen nicht konform oder kompromissbereit sein.” (B)

Petra Giloy-Hirtz

curators in Zusammenarbeit mit Ira Stehmann und Sabine Knust Galerie, München
www.sabineknust.com

Dank an Matthias Kunz