Dennis Hopper
THE LOST ALBUM
© Royal Academy of Arts, London
Photographer: Benedict Johnson

Royal Academy of Arts, London
26. Juni bis 19. Oktober 2014

Martin-Gropius-Bau, Berlin
in Zusammenarbeit mit The Dennis Hopper Art Trust
20. September bis 17. Dezember 2012

Kuratorin: Petra Giloy-Hirtz

Dennis Hopper

Geboren am 17. Mai 1936 in Dodge City/Kansas, gestorben am 29. Mai 2010 in Venice/Kalifornien.

Dennis Hopper ist eine Kultfigur. Wie kaum ein anderer repräsentiert er die emotional aufgeladene Zeit der kulturellen Revolution der sechziger Jahre. Er war begabt, selbstbewusst, radikal: »the definitive Hollywood Rebel«. Protagonist des Provokanten, des Exzentrischen, Exzessiven und des Schöpferischen. Hopper war Schauspieler, Regisseur und Autor – manchmal alles zugleich wie in Easy Rider (1969), The Last Movie (1971) oder Out of the Blue (1980). Er schrieb Gedichte, malte und schuf Skulpturen, inspiriert von Zeitgenossen wie Rauschenberg oder Jasper Johns. Er förderte und sammelte die neue Kunst vor allen anderen und spielte so eine einflussreiche Rolle in der jungen Szene von Los Angeles um Edward Kienholz, Ed Ruscha, Larry Bell oder Wallace Berman. In Hoppers und Brooke Haywards Haus begegneten sich kalifornische Avantgarde und Hollywoods Filmwelt.

Zwischen 1961 und 1967 konzentrierte sich Hopper ganz auf die Photographie. Überall hatte er seine Kamera dabei und machte unzählige Photographien.

Photographien 1961 - 1967

Es sind legendäre Bilder, spontan, intim und poetisch, wie dezidiert politisch, scharf beobachtend – Dokumente einer aufregenden Epoche, ihrer Protagonisten und Milieus. Viele dieser Bilder sind Ikonen: die Porträts von Robert Rauschenberg, Andy Warhol, Paul Newman oder Jane Fonda. Darüber hinaus gibt es eine Fülle von Themen und Motiven. Hopper ist interessiert an allem. Wo immer er ist, in Los Angeles, New York, London, Mexiko oder Peru, beobachtet er aufmerksam, mit Einfühlungsvermögen und voller Neugierde. Die Genies seiner Zeit bannt er, die Schauspieler, Künstler, Musiker und Dichter, seine Familie und seine Freunde, die ›Szene‹, Hells Angels und Hippies. Er streift durch die Straßen von Harlem, die Friedhöfe von Durango und verfolgt fasziniert die Stierkämpfe in Tijuana. Hopper begleitet Martin Luther King auf dem Marsch von Selma nach Montgomery/Alabama mit seiner Kamera. Und er schaut nach den kleinen Dingen, dem Alltäglichen, Vernachlässigten. Die ›Überreste unserer Welt‹ verwandelt er in Bilder von großer Schönheit und Stille, als würde er den Abstrakten Expressionismus der Malerei in die Sprache der Photographie transformieren.

The Lost Album

Gelatine Silver Vintage Prints von 1970
Sammlung The Dennis Hopper Trust

Über vierhundert Photographien sind nach seinem Tod ans Licht gekommen. Hopper hatte sie für seine erste Photographie-Ausstellung 1970 im Fort Worth Art Center Museum ausgewählt.

Sie zeigen die Spuren des Gebrauchs: Fingerabdrücke, Kratzer, Verfärbungen, eine zerfaserte Ecke oder leichte Delle. Aufgezogen auf Karton, rückseitig nummeriert und mit Notizen von Hoppers Hand, waren sie ohne Rahmen und Glas durch kleine Holzleisten direkt an die Wand montiert. Die Hängung im Martin-Gropius-Bau ist der ursprünglichen Installation von 1970 nachempfunden.

Die Vintage Prints, hoch- und querformatig, haben eine ähnliche Größe von etwa 24 x 16 cm; 20 sind von größerem Format (ca. 33 x 23 cm). Von den 429, die Hopper für seine erste Ausstellung ausgesucht hatte, sind 11 verschollen; sie werden durch einen neuen Abzug erkennbar ersetzt. In den aufgetauchten Kisten fanden sich mit den 429 weitere 19 nicht nummerierte Vintage Prints, die Hopper nach Fort Worth mitgenommen, wahrscheinlich aber nicht gehängt hat. Sie werden hier ins „Album“ aufgenommen.

"Und wenn Hopper als Schauspieler zwar ein Künstler war, aber zu seinem Leidwesen einer ohne Werk geblieben ist, so ist ihm mit diesen Bildern aus den frühen Aufbruchsjahren der Großen Amerikanischen Kulturrevolution ein Werk gelungen, das außer ihm vielleicht nur Bob Dylan vorzuweisen hat. Dazu bietet es den Nachgeborenen ein so nie gesehenes Portfolio der Pop-Kunst, als sie noch nicht ubiquitär und exorbitant teuer war. Hopper, der sich doch als ewiger Außenseiter zu inszenieren verstand, hungerte nach Anerkennung, um es sich dann, hatte er sie endlich gefunden, oft genug mit allen zu verderben. Die drei Kuratoren im L.A. County Museum hat er von tief unten aufgenommen, drei dunkle Götter, die ihm schwarzen Engeln gleich den Zugang zum Reich der Kunst zu verwehren scheinen. Spätestens mit dieser einmaligen Ausstellung, zweieinhalb Jahre nach seinem Tod, ist Dennis Hopper in dieses Reich aufgenommen worden."

Willi Winkler (Süddeutsche Zeitung, Montag, 24. September 2012, Nr. 221, S. 12)